Iberdrola, Acciona und Naturgy sehen sich Trumps Kritik an den erneuerbaren Energien ausgesetzt
Spanische Marktführer im Bereich erneuerbare Energien wie Iberdrola [IBE.E], Acciona [ANA.E] und Naturgy [NTGY.E] haben jahrelang in den USA expandiert. Jetzt sehen sie sich jedoch unter der Regierung von Präsident Donald Trump, die eine feindlichere Haltung gegenüber sauberen Energien eingenommen hat, mit wachsenden regulatorischen Risiken konfrontiert.
Nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus im Januar hat Trump die Bundeszuschüsse für Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien gekürzt und die Investitionen in diesem Sektor gebremst - eine scharfe Abkehr von der Politik der Biden-Ära, die einen Boom bei den Ausgaben für grüne Energie ausgelöst hatte. Diese Entwicklung wirft ein schlechtes Licht auf die künftigen Expansionspläne vieler Energiekonzerne in den USA.
Dennoch ist es bemerkenswert, dass es Iberdrola, Naturgy und Acciona Energía bisher gelungen ist, das veränderte politische Klima zu überstehen. Ihre Aktien sind in diesem Jahr um 19,9 %, 5,92 % bzw. 3,9 % gestiegen, was zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts durch die Diversifizierung ihrer internationalen Aktivitäten begünstigt wurde - ein Faktor, auf den wir weiter unten näher eingehen werden -, die ihre Anfälligkeit für politische Schwankungen in einem einzelnen Land abfedern.

Iberdrola: US-Offshore-Wetten mit steigenden Risiken
Iberdrola hat über seine Tochtergesellschaft Avangrid eine starke Präsenz in den USA aufgebaut. Ende 2024 verfügte Avangrid über eine installierte Kapazität von 9.703 MW (Megawatt) an erneuerbaren Energien, was 21,8 % von Iberdrolas Gesamtportfolio an erneuerbaren Energien in Höhe von 44.478 MW entspricht. (Quelle: Iberdrola)
Der Großteil der US-Kapazität stammt aus Onshore-Windkraftanlagen (8.045 MW), weitere 1.384 MW aus Solaranlagen. Das bedeutendste Projekt ist Vineyard Wind 1 (806 MW), ein Offshore-Windpark vor der Küste von Massachusetts, für den bereits vor Trumps Amtsantritt alle Genehmigungen vorlagen.
Avangrid erhielt außerdem den Zuschlag für zwei neue Meeresboden-Pachtgebiete im Golf von Maine, die im Oktober 2024 versteigert werden und zusammen eine potenzielle Kapazität von bis zu 3 GW aufweisen.
Die Aussichten für US-Offshore-Projekte könnten jedoch ungewiss sein, da die Trump-Administration letzte Woche einen Baustopp für Empire Wind angeordnet hat, ein weiteres vollständig genehmigtes Offshore-Projekt, das Häuser in New York versorgen soll.
Naturgy: Kleine US-Präsenz, große Expansionspläne
Naturgy ist heute nur begrenzt auf dem US-Markt vertreten. Bis Ende 2024 erwirtschaftete das Unternehmen dort im Bereich der erneuerbaren Energien einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von nur 7 Mio. EUR, verglichen mit 5,4 Mrd. EUR auf Konzernebene. Dies spiegelt den kürzlichen Start des ersten US-Solarprojekts von Naturgy wider, einer 302-MW-Anlage.
Trotz der bescheidenen Ausgangssituation expandiert Naturgy aggressiv. Zum Jahresende befanden sich weltweit etwa 1,6 GW an Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien im Bau, von denen 24,2 % - etwa 387 MW - in den USA angesiedelt sind. Für dieses Jahr plant das Unternehmen weitere 262 MW in den USA. (Quelle: Naturgy)
Der bisher größte Schritt des Unternehmens ist ein 450-MW-Solarkraftwerk, das derzeit in Arizona entwickelt wird. Dennoch steht der US-Solarsektor vor neuen Hürden, da die Trump-Administration auf Zölle auf chinesische Anlagen drängt, was die Kosten erhöhen und Projekte verzögern könnte.
Acciona: USA und Kanada spielen eine wichtigere Rolle
Im Gegensatz zu seinen spanischen Konkurrenten ist Acciona in zwei Hauptgeschäftsbereichen tätig - Infrastruktur und erneuerbare Energien, letztere über seine Tochtergesellschaft Acciona Energía. Im Jahr 2024 erwirtschaftete Acciona Energía ein EBITDA von 130 Mio. EUR in den USA und Kanada, was etwa 11,6 % des Gesamtumsatzes von 1,12 Mrd. EUR entspricht.
Nordamerika hat sich zum wichtigsten Investitionsziel des Unternehmens entwickelt. Im Jahr 2024 gab Acciona Energía 653 Mio. EUR in den USA und Kanada aus, nachdem im Vorjahr 964 Mio. EUR investiert worden waren. Auf diese beiden Märkte entfielen 45,5 % der Gesamtinvestitionen des Unternehmens in Höhe von 1,43 Mrd. EUR im vergangenen Jahr.
Das Unternehmen ist in den USA mit einer installierten Leistung von 1.431 MW - etwa 9,3 % seiner insgesamt 15.354 MW - bereits stark vertreten, doch neue Gegenwinde, mit denen der gesamte Sektor der erneuerbaren Energien konfrontiert ist, trüben die Aussichten auf künftiges Wachstum. (Quelle: Acciona)
Schlussfolgerung
Die spanischen Akteure im Bereich der erneuerbaren Energien haben in den letzten zehn Jahren eine starke Position in den USA aufgebaut, doch das härtere politische Klima unter Trump stellt ihre Expansionsstrategien auf die Probe. Projekte könnten mit höheren Kosten, neuen regulatorischen Hürden und langsameren Genehmigungen konfrontiert werden.
Dennoch sind Iberdrola, Naturgy und Acciona Energía dank diversifizierter Portfolios und eines breiten internationalen Engagements besser aufgestellt als die meisten anderen. Ihre Widerstandsfähigkeit könnte dazu beitragen, einige der bevorstehenden Herausforderungen auszugleichen.
Angesichts der zunehmenden Ungewissheit werden Tempo und Ausmaß des künftigen US-Wachstums jedoch zunehmend in Frage gestellt.
*Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für künftige Ergebnisse.