Redeia rutscht nach Stromausfall in Spanien ab
Die Aktien des spanischen Netzbetreibers Redeia [RED.E] sind um 7,1% gefallen, nachdem das Unternehmen im ersten Quartal einen Gewinnrückgang verzeichnete, der durch einen massiven Stromausfall, der am Montagmittag, den 28. April, über das Land hinwegfegte, noch verschlimmert wurde.

Rund 15 GW - das entspricht etwa 60 % des nationalen Bedarfs - fielen in weniger als fünf Sekunden aus dem Netz. Die offizielle Erklärung für die Ursache steht noch aus, aber Redeia könnte wegen seines Umgangs mit dem Vorfall in die Kritik der Regulierungsbehörden geraten. Die spanische Wettbewerbsaufsichtsbehörde CNMC prüft heute (5. Mai) einen internen Bericht über den Stromausfall, der möglicherweise den Weg für Sanktionen ebnet.
Die Ungewissheit über den noch ungeklärten Stromausfall und mögliche Sanktionen setzt die Aktie unter Druck, die in den letzten fünf Jahren in einer relativ stabilen Spanne zwischen 13,8 und 19,3 Euro je Aktie gehandelt wurde.
In ersten Kommentaren wurde eine Überproduktion von Solarstrom als möglicher Auslöser für den Stromausfall genannt. Der Vorfall hat eine Debatte darüber ausgelöst, ob die spanische Energie wende das nationale Stromnetz an seine Grenzen bringt, denn 56,8 % der Erzeugungskapazität des von Redeia, früher Red Eléctrica, verwalteten Netzes entfallen auf erneuerbare Energien.
Redeia hat die Möglichkeit eines Cyberangriffs bestritten und damit die anfänglichen Zweifel ausgeräumt. Die spanische Regierung untersucht diesen Aspekt jedoch noch und hat eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet, um ihn auszuschließen, so dass weitere Maßnahmen gegen das Unternehmen möglich sind, falls ein Missmanagement festgestellt wird.
Grüner Vorstoß auf dem Prüfstand
Spaniens wachsende Abhängigkeit von Solar- und Windenergie - den Hauptpfeilern seiner Dekarbonisierungsstrategie - stellt eine strukturelle Herausforderung dar, da diese Quellen Strom intermittierend erzeugen und nicht die Trägheit des Netzes bieten, die Atom-, Wasser- oder Gaskraftwerke bieten. (Quelle: Cuatro)
Zum Zeitpunkt des Stromausfalls lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der Gesamterzeugung bei 71 % - 58 % aus Sonnenenergie und 13 % aus Windkraft -, was zu Spekulationen führte, dass ein plötzlicher Produktionsanstieg während der geringen Mittagsnachfrage das von Redeia überwachte System destabilisiert haben könnte.
Während erste Expertenkommentare auf die erneuerbaren Energien hindeuteten, wies die spanische Regierung diese Ansicht zurück und argumentierte, das Problem sei ein Missverhältnis zwischen hoher Erzeugung und geringer Nachfrage und nicht die Art der sauberen Energie selbst.
Dennoch hat der Vorfall die Debatte darüber neu entfacht, ob Spaniens Energiewende zu aggressiv voranschreitet. Nach einem 2019 verabschiedeten Fahrplan will das Land bis 2035 alle sieben Kernreaktoren abschalten, die von Iberdrola [IBE.E], Endesa [ELE.E] und Naturgy [NTGY.E] betrieben werden.
Gedämpfte Marktauswirkungen für Stromerzeuger
Während die Redeia-Aktie von 19,18 EUR bei der Eröffnung am 28. April auf 17,82 EUR bei Börsenschluss am 2. Mai fiel - ein Rückgang von 7,09 % - war die Reaktion bei den wichtigsten börsennotierten Stromerzeugern Spaniens verhaltener.
Im gleichen Zeitraum stieg Endesa von 25,78 EUR auf 26,26 EUR, was einem Anstieg von 1,86 % entspricht. Iberdrola legten um 1,74% zu und stiegen von 15,47 EUR auf 15,74 EUR. Naturgy gaben leicht nach, von 26,10 EUR auf 26,02 EUR, was einem Rückgang von 0,31% entspricht.
Redeia, dessen Einnahmen im Jahr 2024 fast vollständig an den Betrieb der spanischen Stromübertragungsinfrastruktur gebunden sind - 1,396 Mrd. EUR von insgesamt 1,48 Mrd. EUR -, steht direkt auf dem Prüfstand, da sich die Stromkrise derzeit auf ein mögliches Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Nachfrage konzentriert.
Im Gegensatz dazu erwirtschaftet Iberdrola Einnahmen aus mehreren Geschäftsbereichen und ist in Mexiko, Brasilien, dem Vereinigten Königreich und den USA stark vertreten. Endesa deckt ebenfalls die Bereiche Stromerzeugung, -verteilung und -vertrieb ab und ist ein wichtiger Akteur auf dem spanischen Erdgasmarkt.
Einige Geschäftsleute haben die Regierung aufgefordert, ihren Plan zum Ausstieg aus der Kernenergie zu überdenken. Der Vorstandsvorsitzende von Endesa, José Bogas, hat öffentlich eine Überprüfung gefordert und darauf hingewiesen, dass die Kernenergie derzeit 20 % des spanischen Strombedarfs deckt und für die Stabilität des Systems entscheidend ist.
Schlussfolgerung
Der Stromausfall vom 28. April, gekoppelt mit dem schwachen Ergebnisbericht, hat Redeia ins Rampenlicht gerückt. Die Aktien des Unternehmens sind unter Druck geraten, und die Aufsichtsbehörden untersuchen, ob eine schlechte Koordination von Angebot und Nachfrage eine Rolle gespielt hat. Es bleibt abzuwarten, ob der Stromausfall dazu führt, dass Spaniens grüne Strategie überdacht wird.
Im Moment muss Redeia die Hauptlast tragen. Die Aktien von Iberdrola, Endesa und Naturgy haben sich aufgrund ihrer diversifizierten Geschäftsmodelle und ihrer internationalen Präsenz stabil gehalten - im Gegensatz zu Redeia, dessen Geschäft auf Spanien konzentriert ist und sich auf den Betrieb des nationalen Übertragungsnetzes konzentriert, das im Mittelpunkt der Störung stand.
Die Aufmerksamkeit richtet sich nun darauf, ob die Regierung ihren Ausstieg aus der Kernenergie anpasst oder die Sicherheitsvorkehrungen im Netz verstärkt. In jedem Fall ist Redeia noch mit mehreren Unwägbarkeiten konfrontiert, deren Klärung Wochen dauern kann.
*Die Wertentwicklung in der Vergangenheit spiegelt nicht die zukünftigen Ergebnisse wider.